Legende von der Entstehung des Nikolausfestes

 

 

 

 

Vor vielen, vielen hundert Jahren, da lebte Nikolaus in einer Stadt im Morgenland als Bischof, in der es eine Hungersnot gegeben hat.

Die Menschen wurden schwach und fragten den Bischof Nikolaus: „Was nun?“ Der sagte: „Bitte Gott um Hilfe. Er wird für uns das Rechte tun.“

Die Menschen beteten, und ein paar Tage später, da sahn sie auf dem Meer ein Schiff sich nahn. Es steuerte dem Land zu, warf Anker und legte in dem kleinen Hafen an.

Das Schiff war hoch mit Korn beladen. DA bat der Bischof Nikolaus die Schiffer: „Hört, wir haben Hunger. Gebt uns ein wenig von dem Korn heraus.“

Die Schiffer sagten zuerst: „Nein. Es tut uns leid, doch dürfen wir nicht stehlen. Denn unser Herr bemerkte es sofort, wenn von dem Korn ihm etwas würde fehlen.“

Doch Nikolaus sprach: „Helft nur, helft. Ihr mildert mit dem Korn viel Leid. Es wird euch nicht ein Körnlein fehlen, wenn ihr bei eurem Herrn zu Hause seid.“

Die Schiffer gaben schließlich nach. Sie schenkten Korn und linderten die Not. Die Menschen dankten ihnen sehr und buken aus dem Mehl für alle Brot.

Das Schiff fuhr weiter übers große Meer. Zu Hause sahn die Schiffer nach, und dann war in den Säcken nicht ein Korn zu wenig. Die Waage zweigte es ganz deutlich an.

Die Schiffer staunten und erzählten allen, was für die Hungernden der Bischof hat getan. Und alle Menschen hier zu Lande danken alljährlich am Nikolaustag daran.

Sie schenken ihren Kindern Leckereien am 6. 12., auf dem Dorf und in der Stadt, weil Bischof Nikolaus vor vielen hundert Jahren den Menschen Korn und damit Brot gegeben hat.

Wir wissen nicht, ob jene Schiffer wirklich glaubten, was ihnen Bischof Nikolaus versprach. Wir wissen auch nicht, ob sie Gott vertrauten, doch waren ihre Herzen hilfsbereit und wach.

Und das genügt, um auch die Schiffer froh zu feiern, das sollten wir am 6. 12. gut bedenken und noch eins: Mehr noch als Geschenke zu bekommen beglückt es, einen anderen zu beschenken.

Alfons Schweiggert

kiwithek.kidsweb

Heiliger Nikolaus

Wettergegerbt war sein Gesicht. Seine Nase hatte einen markanten Buckel und, ja, er trug tatsächlich einen weißen Bart, wenn auch einen kurzen: Der Heilige Nikolaus von Myra. Als Wissenschaftler sein Gesicht vor Jahren rekonstruierten, war er plötzlich wieder in aller Munde. Dabei kann Nikolaus als einer der am meisten verehrten Heiligen der Christenheit zugleich als einer der unbekanntesten Heiligen gelten. Denn gesicherte Fakten über sein Leben gibt es kaum.

Gegen Ende des 3. Jahrhunderts geboren, wurde er bereits mit 19 Jahren von seinem Onkel zum Priester geweiht, schließlich wurde er Abt des Klosters Sion nahe dem damaligen Myra. Um das Jahr 350 starb er mit rund 60 Jahren in Myra, dem heutigen Demre, rund 100 Kilometer südwestlich von Antalya. Im 11. Jahrhundert wurden seine Gebeine schließlich von italienischen Kaufleuten gestohlen und nach Bari in Süditalien gebracht, wo sie noch heute bestattet liegen.

Sein Leben jedoch, seine Taten – alles Legende; ein Dickicht aus Wunder- und Bekehrungserzählungen. Der Heilige von Myra – er ist zur Projektionsfläche geworden. Und damit zugleich zu einem Symbol der Verständigung und des Friedens. Ein Heiliger, der die Hand reicht – auch anderen Konfessionen und Religionen, wird er doch in der Ostkirche ebenso verehrt wie im Westen. Eine Brücke zwischen Orient und Okzident.

So wird die Erinnerung an ihn zugleich zu einem politischen Statement, hat Nikolaus sein Leben doch in einem Land verbracht, das heute für Christen ein schwieriges Pflaster darstellt: die Türkei. Als religiöse Minderheit werden sie schikaniert, mancherorts verfolgt. Wie der Heilige Nikolaus im Übrigen – denn überliefert ist, dass er 310 zur Zeit der Christenverfolgung gefangengenommen und gefoltert wurde. Er reagierte darauf jedoch nicht etwa mit Aggression, sondern mit Sanftmut. Und die Geschichte gab ihm Recht.

Katholische Kirche Österreich